11.05.2009
Die Prophezeiung
Teil 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6


Die Prophezeiung

Der Angriff kam im Morgengrauen, der Himmel wandelte sich von einem pechschwarzen Schleier in ein rot und orange schimmerndes Firmament, die Todesglocke der Nacht wurde von den Wolken angeklungen. Die heulenden, schreienden und verheerenden Horden von Dämonen brachen über die behüteten Bauernhäuser hinein wie ein schwarzer, reißender Fluss. Klauen und Reißzähne attackierten die Bewohner, während diese vergebens versuchten, sich zu verteidigen – Blut wurde in einer Wildheit gelassen, die nicht einmal Mütter und Kinder verschonte. Es war ein grausames Gemetzel; Sie sahen sie als Abschaum an, welcher im Schlaf ausnahmslos abgeschlachtet wurde.

Diese Kreaturen wurden nicht durch die sanften Hände Mutter Naturs erschaffen, sondern durch die dunklen Kräfte und Künste der Hexenmeister – zumeist im Exil, warteten diese Zauberer auf ihre Rache, die einen spürbaren Geschmack in ihren Mündern hinterließ. Genau wie das Blut, welches ihre dämonischen Horden wenig früher unkontrolliert vergossen hatten – aber das kümmerte sie nicht, sie wollten nicht einen Finger heben. In vergangenen Zeiten, vor 30 Jahren um genau zu sein, mussten sie ihren großen Anführer durch die Hände eines Mannes namens Herzog Hark Ferol sterben sehen. Sie hatten lange geplant und lange gewartet, bis eine Zeit wie diese gekommen war, in der sie ihre Vergeltung auf das Königreich und diejenigen, denen ihr Leben lieb war, entfesseln konnten.

Aber die Zerstörung der Höfe und der äußeren Dörfer diente nur dem Zweck, den Kindern des Herzogs Zeit zu geben, ihre Streitmächte in Rivertown zu sammeln. Doch verspäteten sich die Hexer und ihre dämonischen Verbündeten um einige Wechsel von Tag auf Nacht und von Nacht auf Tag. Die Allianz rechnete nicht damit, sich auf offenem Felde gegen diese magische Gefahr und ihre Monster behaupten zu können, so verließen sie sich auf ihre Fertigkeiten in einem wesentlich riskanterem Plan – Ein Kampf mitten in der Stadt selbst. Natürlich waren sie auch um den Herrn des Chaos besorgt, wessen schreckliche und zerstörerische Macht Armeen verzehrt wie ein wütendes Laubfeuer Späne – manche sagten er sei nur ein Phantom, aber sicher konnte sich niemand sein.

Der Himmel war nun dunkel wie Sackleinen und feine Stiche Licht brannten sich durch das Firmament und schienen herab. Es war der längste Tag des Jahres, erschien zugleich aber als der bedrohlichste; Angst brannte in den Herzen der in Rivertown Wartenden... Angst und Besorgnis. Was als leichtes Grollen begann, wandelte sich zu einem boshaften Geschrei als die Armeen der Finsternis die Stadttore erreicht hatten, die Palisaden wurden erschüttert durch die geballte Bosheit, durch die Dämonen, durch die Hexer und den Herrn des Chaos, wie sie in voller Vorfreude einer teuflischen Schlacht entgegen sahen. Doch war alles ruhig als die dämonischen Horden ihre Beute witterten und behutsam weiter vordrangen, keine Spur mehr von Unruhe. Diese Behutsamkeit ist selten in einem Krieg – so fühlten sie sich schnell, als könne sich niemand ihnen widersetzen und Vorsicht wich einer freimütigen Arroganz, auf Grund derer sie marschierten als hätten sie die Stadt bereits erobert.

Ihnen entging, dass die Verteidiger hoch über ihnen auf Dächer und in Giebeln saßen – Diese Dächer gaben ihnen nur einen geringen, aber notwendigen Vorteil gegenüber dieser Armee. Ein Schrei brach heraus, als die Verteidiger Kessel brennenden Öls von oben auf sie herabließen, viele wurden in Brand gesteckt, bevor der Pfeilhagel über ihnen niederging, wie wütende Wespen zischten die Pfeile schlangengleich von den dutzenden Schützen hinab – jede Pfeilspitze war mit einem bösartigen Gift bedeckt. Die Schlacht begann erneut, als die Dämonen und Magier mit einer Welle von Zaubersprüchen und Feuerbällen antworteten, welche die Schützen zurück in die schützenden Schatten trieb; in diesem Ansturm starben Menschen sowie Dämonen und Zauberer. Dennoch waren diese Versuche der tapferen Seelen nichts gegen die Gewalt dieser Armee, so dass sie gezwungen waren, sich zurück zu ziehen und sich neu zu formieren.

Doch Krieg spielt sich nicht bloß in einer Nacht ab, oder während eines Herzschlages aus Blut und Donner, er ist eine atmende, lebendige Gesamtheit, welche Lebenskraft und die Seelen derer raubt, die es wagen, seine Kunst auszuüben. So kam es also, dass der Hexer dunkle Armeen die Seelen derer, die sich ihnen widersetzten, hetzten und jagten, und so kam es auch, dass eben diese Seelen mit grausamen Taktiken auf den weit überlegeneren Feind reagieren mussten. Über diese nächsten vier Monate begann ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, als die Zauberer Häuser und Heime auf der Suche nach ihren Feinden dem Erdboden gleichmachten. Die wackeren Verteidiger waren gezwungen, sich in kleine Rudel zusammen zu rotten, um den anpirschenden Dämonen, die sie jagten wie Spielzeug Tiere, zu entwischen.

Die kleinen Rudel lernten schnell, wie wertvoll das Wissen um des Feindes Schwächen ist, ebenso jedoch nutzten auch die Hexer und ihre Dämonen dieses Wissen, um die Chancen wieder auszugleichen. Für jeden noch so kleinen Sieg den sie errangen, zahlten die dämonischen Horden mit Blut und Schmerz; als die Alliierten ihre Kehlen im Schleier der Nacht aufschlitzten oder die Bolzen ihrer Pfeile durch ihre verdorbenen und schwarzen Herzen trieben. Die Hexer waren unter den Alliierten bald nur noch als die Verdammten bekannt und all die Rudel wuchsen zu Gruppen heran, welche nur noch durch die Ruinen plänkelten – so schnell wie sie aus einem Versteck getrieben wurden kehrten sie zu einem früheren zurück. Die Armeen der Finsternis verloren ihre Geduld und durch den Mangel an Hilfe und Verstärkung wurde die Zahl der Verdammten gestutzt. Es war Zeit zu handeln und so stolzierte der Herr des Chaos in seiner gespenstischen Herrlichkeit seine Feinde vor sich hertreibend über das Schlachtfeld, sie konnten ihn nicht bezwingen, nicht direkt, nicht durch einen Hinterhalt – Hoffnungslosigkeit machte sich breit. Stückchen für Stückchen und Meter für Meter richtete er die Schlacht neu aus. Die Alliierten wurden sehr bald in Hinterhalte getrieben und liefen Gefahr, geschlagen zu werden.

Der vierte Monat brachte eine drastische Wende, in der die Alliierten gezwungen waren, Rivertown hinter sich zu lassen. Besiegt und beschmutzt flüchteten sie schwer verwundet und mit gebrochenem Stolz in die verhältnismäßig sichere Bastion der Hoffnung – Die Frauen und Kinder, welche überlebt haben, flüchteten bereits viel früher in die Wälder der Umgebung, wo sie überleben konnten. Während sich die Alliierten dem Kastell Stormfist zuwandten, waren ihre Herzen voller Angst, verloren zu haben – aber sie wussten, dass so lange sie noch stehen konnten, sie ihren Familien Zeit gaben, in die sicheren Länder ihrer Verbündeten zu fliehen... das war alles, was sie zu ihrem Schutze nun noch tun konnten. Als sie sich im Hof der Burg neu formierten, wurde ihnen eines bewusst: Das Torhaus, wenn es fiele würden die Horden der Hexer und der Herr des Chaos wie Fliegen um einen Kadaver einschwärmen und alles würde hier enden. Sie hatten ausreichende Versorgung, um einer langen Belagerung stand zu halten, aber die Moral war niedrig; Viele murmelten etwas über den Tod und erwarteten dass dieser ihr Leben bald in Anspruch nehmen werde.

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geschrieben von WorldSuxx

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