18.06.2009
Die Prophezeiung
Teil 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6


Morrecks Vater, Duke Dylan Ferol versohlte beide Buben zünftig, als er sie in den unteren Katakomben nahe der Kammer spielend vorfand. Beide waren wie gebannt.
Er verfiel angesichts ihres Leichtsinns in einen beschützenden aber aufgebrachten Zorn und erklärte den beiden Jungen, dass sie höllisches Glück gehabt hatten, da dieser Raum weder ein Spielplatz noch irgend ein Platz war, an dem man sich aufhalten sollte. Die Tür zur Kammer würde sich, einmal geschlossen, automatisch verriegeln und ihre Schreie würden die Wände nicht durchdringen, so dass niemand sie hören würde. Die Tür war so stabil, dass sie sie nicht hätten zerschmettern oder sonst irgendwie öffnen können.

Sie wären verhungert, konstatierte er, die Augen voller Strafe und Wut... diese Augen spiegelten sich nun in Morrecks eigenen, als er Ralph sah, wie er sich von seinem Arm weg drückte und kraftlos in Richtung der Kammer schritt und sie betrat, den Mund immer noch weit geöffnet, wie all die Jahre zuvor. Sein Freund winkte ihm mit der Spitze des boshaft schimmernden Schwertes zurück, die Klinge schien mit voranschreitender an Präsenz und Kraft zu gewinnen.

„Auf Wiedersehen Bucktooth.“ sagte Ralf mit einem tränen- und schmerzerfüllten Blick. „Das Biest in dem Schwert hat mich fast vollständig ergriffen, ich fühle wie sein Geist meinen eigenen in das Schwert herab zieht.“ Seine Augen wurden leblos. „Du wirst wissen... du... wirst wissen, was zu... tun ist.“ In diesem Moment war alles von ihm bis auf seinen Körper tot und sein Kopf fiel nach vorne auf seine Brust.

Bevor Morreck sich bewegen konnte, erhob sich der Kopf des Adepts noch einmal und ihm entfuhren unverständliche, zischende Laute.

„Ich... bin... frei!“ Als das letzte Wort gesprochen war, sah er noch einmal die Augen seines Freundes und sein Herz gefror in seiner Brust, in Anbetracht ihrer Leblosigkeit. Sie wirkten wie schwarze Lücken zwischen den Sternen. Er kannte diese Stimme, er hatte sie schon einmal gehört und die Angst vor dem, was bevorstand, versetzte ihn in Bewegung... mit der Erinnerung an das böse, rhythmische Rasseln des Kampfes vor knapp einer Woche in seinen Ohren – er sprach ein einziges Wort, eines, das ihm als junger Mann anvertraut wurde – von seinem Vater.
Die Augen vor dem Heulen und Grölen unmenschlichen Wahnsinns verschließend, das von innen heraus brach als der Mund krachend zufiel. Ralphs Freund konnte die ekstatischen Geräusche der Kling des Chaos Lords hören, als sie vergeblich gegen die Wände der Kammer schlug.

Das Schloss wurde erschüttert als ein fürchterlicher Schrei aus der Kammer ertönte, der das Inventar des Schlosses zum Scheppern brachte und Staub von der Decke regnen lies.


Morreck lächelte grimmig und ging zornig weg. „Schrei so viel du willst, Dämonenkönig, Ausgeburt der Hölle... du wirst nicht lange überleben mit diesem Körper... er kann nicht nur von Luft leben.“ Er lachte ein hämisches und trostloses Lachen. „Und danach kannst du dich in dem verdammten Schwert verstecken, solange du willst! Bis die Sterne herabfallen und sich das Land entzweit!“

Als er, in Gedanken versunken, vom Tor weg schritt, gab der Duke noch ein letztes Statement von sich.

„Lebe wohl...“ er drehte sich um und schaute auf die Tür. „Blunderfoot... ich hätte wissen müssen, dass du es sein würdest, der die Welt im Alleingang rettet, bevor er von uns geht. Eine Träne kullerte seine Wange herab. Er wischte sie mit seinen staubigen Fingern ab. Und mit dieser letzten Geste führte er seine Diener und Leibwachen von der Kammer weg, die auf ewig eine göttliche Kraft hinter diesem gewundenen Portal gefangen hielt.


Kapitel 3

Aus der Feder von Zenfar Blutsporn, Hauptarchivar des schwarzen Zirkels und letztes lebendes Mitglied der Legion der Verdammten.

Meine Kinder: Ich sterbe. Der Segen, den der Lord of Chaos auf mich legte, kommt schließlich zu einem Ende. Diejenigen unter meinen Gefährten, die den Krieg mit der widerlichen und heimtückischen Liga der Sieben überlebten, sind bereits verstorben und ich weiß, dass ich nun der Letzte bin. Das verbittert mich nicht, ich weiß, dass wir im letzten Kampf unseren Meister im Stich gelassen haben und zuließen, dass er durch niederträchtige und hinterlistige Magie verbannt wurde. Ich weiß, dass ich sechs volle Jahrhunderte seit diesem schamerfüllten Tag gelebt habe und dass das der schauderhafte Beweis der fortbestehenden und gütigen Macht unseres dunklen Lords ist – trotzdem, dass er nun in der Hölle ist.

Ich glaube, dass mein fortwährendes Überleben darin begründet liegt, dass ich mehr als einen dämonischen Vorfahr habe und dass unser Meister mich immer noch benötigt. Oder zumindest hoffe ich das. Aber ich fühle, dass es an der Zeit ist, euch etwas Wichtiges mitzuteilen, jetzt wo sich mein Leben dem Ende zuneigt, wie ein letzter Akt. Ich bin der letzte Verdammte und obwohl die Liga uns diesen verhassten Namen gab, bin ich stolz, so genannt zu werden. Aber ihr... ihr seid ein Haufen lästernder, zankender und törichter Seide tragender Welpen! Diese neue, so genannte Generation, die, die sich selbst der Schwarze Ring nennen. Ihr könnt viele Zeremonien inszeniert haben um eure unbedeutenden Taten zu glorifizieren, aber niemand von euch hat je wie ich die Ehre gefühlt, Schulter an Schulter mit euren dämonischen Verbündeten einer Phalanx kampfbereiter Zwerge, heulend wie tollwütige Wölfe und den Namen ihrer Göttin singend, entgegen zu treten, Duna.
Keiner von euch hat je in blutigen Schlachten Kampfzauber auf den Feind gewirkt oder sich an einem heißen Brandeisen abgeschuftet und als äußerste Aufopferung Gefangene für unseren schwarzherzigen Meister markiert.

Ich habe all das gesehen, ich habe all das getan und viel Respekt habe ich dadurch von euch jungen Narren erhalten! In der Blütezeit unserer Größe lebten wir einzig und allein für ein Ziel: Die Missetaten die unserem mächtigen Orden durch diese sterblichen Flöhe zugefügt wurden, zu rächen... sie haben unseren obersten Hexenmeister ermordet und uns wie Vieh von unserer Heimat Stormfist Castle vertrieben. Sie wagten es, unsere Forschung in Frage zu stellen, unsere Methoden und uns... also schlossen wir im Namen des Überlebens und der Vergeltung einen grausamen Pakt mit den Legionen der Hölle. Die sieben Rassen besaßen darauf hin die Frechheit, uns die Verdammten zu nennen! Weil unsere einzigen Verbündeten Dämonen waren, waren auch sie Narren und sollten alle zerschmettert werden. Aber wisst ihr, wen ich noch mehr verachte als diese eiternden Dummköpfe, das frei herumlaufende Gesindel von halbintelligenten sabbernden Abarten in Rivellon. Ja, euch, euch sich kleinlaut in den Bergen versteckenden, dilettantischen, Magie hassenden, unbedeutenden, pathetischen... wie großartig ihr seid... ihr Welpen wisst doch nicht einmal, dass ihr lebendig seid!

Wo ist euer Feuer, euer Geist, wo ist der kalte rücksichtslose Hass, für den wir Verdammten berüchtigt waren? Ihr wisst nicht, wie man tötet; die meisten von euch haben nur eine winzige Anzahl der Tötungen begangen, an denen wir uns einst, in einer Zeitspanne, die den meisten eurer jämmerlichen Leben zusammen genommen entspricht, ergötzt haben! Und was waren diese Tötungen? Sie waren das Ergebnis der Hingabe in den Kampf eures edlen Schwarzen Ringes. Das ist es, was sie waren! Beherzigt diese Worte, die ich jetzt niederschreibe: Es ist eure Pflicht, eure Bestimmung und euer Recht diese quiekenden pathetischen Narren in Rivellon abzuschlachten, zu versklaven und zu ermorden... peinigt die sieben Rassen von Rivellon – zeigt ihnen euer Herz und dann entreißt ihnen ihres aus ihrer immer noch lebenden Brust, für das, was sie uns in der Vergangenheit angetan haben! Jetzt ist für euch jungen Bastarde die Zeit gekommen, meine Worte zur Kenntnis zu nehmen, hört zu und verinnerlicht sie... ignoriert nicht, was ich mit euch teilen werde... außer ihr wünscht weiterhin in diesen Bergen zu leben und Hexer zu spielen?

Der große Hexenmeister formte einst ein Schwert, in dem ein boshaftes Geheimnis ruht, ja die Kraft des Lebens, ein Fragment des Lords of Chaos – in diese Klinge fügte er einen Teil von sich selbst ein... es war eine zweite Chance für unseren Meister. Mit Chaos aus der sterblichen Ebene verbannt, verblieb es als eine schwache Verbindung zu ihm, eine dünne aber dauerhafte Verbindung zu unserem geliebten Meister. Aber Ulthring wurde bei seinem letzten Kampf getötet, sein Schwert der Lügen wurde ihm von einem jungen Kampfzauberer abgenommen und gegen ihn gerichtet... Ralph, verflucht sei sein Name und seine Sippe! Warum das Schwert nicht Besitz von der Seele dieses jungen Thors ergriff, weiß ich nicht, er musste einen Geist haben, stark wie Zwergen- oder Elbenstahl. Der Mensch brachte das Schwert zurück nach Stormfist Castle... und weder er noch das Schwert der Lügen verließ jemals wieder diese kalten Steinhallen. Ich weiß nicht, was an diesem Ort geschehen ist, vielleicht ermordete Duke Ferrol den Lehrling um an das Schwert zu gelangen, vielleicht wurde es gestohlen... vielleicht liegt es immer noch in diesen Mauern.

Während ich dieses schreibe, fühle ich meinen Geist schwinden. Meine Spione haben mich darüber informiert, dass die gegenwärtigen Diener und die Belegschaft des Schlosses nichts von der Anwesenheit des Artefakts oder seiner Kraft wissen. Folglich könnte das Geheimnis über den Verbleib allein in der Familie Ferol gehütet werden. Ich werde mir das Leben auf dem Brokentooth Crag nehmen, die Aussicht von dort oben habe ich immer sehr genossen... ich werde nicht einfach sterben und verschwinden wie ein Wispern im Wind. Mit meinem letzten Atemzug befehle ich euch... lasst alten Hass aufleben, beginnt die Suche nach Rache erneut und sät Zwietracht zwischen den Rassen von Rivellon – mit den Rassen in Aufruhr könnte es genug Chaos geben um den Chaos Lord zurück zu uns zu bringen, dann wird uns die Rache gelingen... auch wenn ich schon lange Tod sein sollte. Mordet und verstümmelt, ruft Hass und Leid hervor, führt die Länder an den Rand der Zerstörung. Denkt immer daran meine Kinder, dass die sieben Rassen davon ausgehen, dass der Lord of Chaos sicher weggeschlossen ist und die Verdammten unwiderruflich vernichtet sind.

Mit meinem Tod soll Letzteres wahr werden, aber ich überlasse euch ein Vermächtnis aus Hass und Rache... sie ignorieren eure Anwesenheit, sie wissen möglicherweise nicht einmal, dass ihr existiert, also könnt ihr flink gegen sie vorgehen. Aber seid scharfsinnig, nutzt ihre Ignoranz und ihren Stolz gegen sie – infiltriert ihre unbedeutenden Leben und gebt euch dem Willen hin, das Schwert zu finden und wieder zu erlangen, denn das Schwert der Lügen ist der Schlüssel zur Hölle selbst. Nun schreitet voran meine hasserfüllten Kinder, raubt, stehlt, mordet und unterwandert... spioniert und peinigt... begeht jede böse Tat die euch einfällt – erobert das Schwert der Lügen zurück, öffnet das Tor zur Hölle und ich werde dort sein um euch zu begrüßen, ich und der Rest der Legion der Verdammten und zusammen mit der Hilfe des Lord of Chaos – wir werden zurückkehren und was von den Ländern übrig ist in ein Leichenhaus verwandeln.

In ewiger Dunkelheit und Hass
Zenfar Blutsporn

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